Der Appell wurde in Absprache mit den Philosophie- und Ethikprofessoren Birnbacher, Gesang, Hösle, Lumer und Ott, die sich besonders mit Fragen der ethischen Orientierung beim Umgang mit der Klimaproblematik befassen (vgl. Namensliste unterhalb des Appelltextes), Ende 2011 von Horst Emse formuliert. 16 renommierte Persönlichkeiten aus der Wissenschaft und dem öffentlichen Leben unterstützen den Appel mit Wort und Tat als Erstunterzeichner.



Berliner Appell: Klimaneutral handeln!


Angesichts der allzu schleppend vorankommenden Klimaschutzpolitik appellieren die Unterzeichner an Privatpersonen, Unternehmen und sonstige Organisationen, mit eigenem Handeln der Öffentlichkeit und den Politikern zu signalisieren: "Wir sind bereit, die Konsequenzen dringend erforderlicher Klimaschutzmaßnahmen mitzutragen". Die manchmal zögerliche Politik braucht zusätzlichen Anschub, vor allem aber Ermutigung. Den politisch Verantwortlichen muss der Rücken gestärkt werden, notwendige, aber leider unbequeme Regelungen zu beschließen. Deshalb:

Übernehmen Sie - souverän und wegweisend - in Ihrem Zuständigkeitsbereich Verantwortung für die dort anfallenden CO2-Emissionen,

  • indem Sie sich um eine weitgehende (für Sie finanziell tragbare) Reduzierung Ihrer CO2-Emissionen bemühen und
  • indem Sie zusätzlich, im Sinne des Verursacherprinzips, möglichst umfassend die technische und/oder biotische Kompensation der nicht vermiedenen Emissionen finanzieren und damit für die wahren Kosten Ihrer Energienutzung einstehen - beispielgebend dafür, was dringendst institutionell geregelt werden muss.

  • Wir hoffen, durch solch wegweisendes Handeln möglichst vieler souveräner Bürger einen Bewusstseinswandel in unserer Gesellschaft in Gang zu bringen und die Politiker zu ermutigen, noch rechtzeitig vor unumkehrbaren Entwicklungen in den globalen Ökosystemen durch die Einführung einer CO2-Abgabe in Verbindung mit marktwirtschaftlichen Instrumenten einen effektiven Klimaschutz national und international zu realisieren.


    Die Botschaft unseres individuellen Handelns an die Politik lautet:

    „Wir, die Erstunterzeichner und alle, die mit Wort und Tat diesen Appell unterstützen, übernehmen Verantwortung im Sinne des Verursacherprinzips für die Folgen unserer Energienutzung - schon vor einer hoffentlich bald kommenden, für alle Verursacher von CO2-Emissionen geltenden Einführung einer CO2-Abgabe. Da wir wissen, dass wir die Atmosphäre nicht länger als Abgasdeponie missbrauchen dürfen, bemühen wir uns, unsere Treibhausgasemissionen zu verringern und zahlen die Kosten für die Kompensation der von uns trotz aller Reduktionsbemühungen nicht vermiedenen CO2-Emissionen. Wir selbst stehen so für die sonst anderen aufgebürdeten Folgelasten unseres Energieverbrauchs ein. Die Politik hat uns an ihrer Seite, wenn sie das Verursacherprinzip als Grundorientierung der Klimapolitik zur Geltung bringt und dafür sorgt, dass der Preis für die Energienutzung der ökologischen Wahrheit entspricht. "


    Berlin, im März 2012 (Textanpassung: Sept. 2014, ursprüngliche Fassung)


    Horst Emse, Theologe (Initiator und Hauptverantwortlicher); Prof. Dr. Dieter Birnbacher, Philosoph/Ethiker, Universität Düsseldorf; Themenbereich u.a.: Angewandte Ethik; Prof. Dr. Drs. h. c. Peter Burschel (†), em. Ordinarius für Waldbau und Forsteinrichtung an der TU München; Schwerpunktthema u.a.: die Rolle der Wälder für den Kohlenstoffkreislauf der Erde; Prof. Dr. Bernward Gesang, Philosoph/ Ethiker, Universität Mannheim; Themenbereich u.a.: Klimaethik; Prof. Dr. Hartmut Graßl, em. Professor für Allgemeine Meteorologie an der Universität Hamburg; ehemaliger Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie; Arbeitsschwerpunkt im Bereich der Klimaforschung; Prof. Dr. Vittorio Hösle, Philosoph/Ethiker, University of Notre Dame, Indiana, USA; Themenbereich u.a.: Ökologie und Ethik; Professor Dr. Christoph Kähler, Theologe, Landesbischof i.R. der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Mitglied des Deutschen Ethikrats; Prof. Dr. Christoph Lumer, Philosoph/Ethiker, Universität Siena, Italien; Themenbereich u.a.: Allgemeine u. angewandte Ethik, insbes. Klimaethik; Professor Dr. Julian Nida-Rümelin, Philosoph/Ethiker, LMU München, Themenbereiche u.a.: Fragen der praktischen Vernunft, der Ethik und der politischen Philosophie; Prof. Dr. Konrad Ott, Philosoph/Ethiker, Universität Greifswald; Themenbereich u.a.: Umweltethik; Prof. Dr. Dr. F. J. Radermacher, Vorstand des Forschungsinstituts für anwendungs-orientierte Wissensverarbeitung/n (FAW/n), Ulm, u.a. auch Präsident des Senat der Wirtschaft e.V., Bonn, Mitglied des Club of Rome; Dr. Julius Schälike, Philosoph/Ethiker, Universität Konstanz, Themenbereiche u.a.: Angewandte Ethik, Handlungstheorie, Politische Philosophie; Professor Dr. Eberhard Schockenhoff, Theologe, Universität Freiburg, Schwerpunkt: Moraltheologie; Mitglied des Deutschen Ethikrats; Prof. em. Dr. Christian-D. Schönwiese, Meteorologe; bis 2006 Leiter der Arbeitsgruppe Klimaforschung am Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe Universität Frankfurt; in verschiedenen nationalen und internationalen Gremien zur Klimathematik engagiert; Senat der Wirtschaft e.V., Bonn; Prof. Dr. Christoph Stückelberger, Ethiker, Universität Basel, Direktor von Globethics.net, Genf; früher: Leiter des Instituts für Theologie und Ethik des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes; Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, u.a. ehem. Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie (1991-2000), Autor von "Faktor Fünf - Die Formel für nachhaltiges Wachstum".


    Liste der Unterstützer des Appells seit der Veröffentlichung