Das als grundsätzlich richtig Erkannte freiwillig und souverän umsetzen


Professionelle Normalität - diesen Begriff prägte Martin Unfried Anfang 2013 in einer Kolumne unter der Überschrift Im richtigen Leben einfach richtig leben. "Wir brauchen ... eine Gruppe von Menschen in der Gesellschaft, die die Energiewende und den Klimaschutz so richtig professionell in ihr eigenes Leben einbauen." Es gehe darum, das Klimaschutzhandeln vom Image "ökologischer Radikalität und kasteiender Verzichtsübung einer Minderheit" zu befreien und es stattdessen zu "bürgerlicher Selbstverständlichkeit und attraktiver Normalität für den Mainstream" werden zu lassen.

Das ist u.a. auch das Anliegen der Autoren des Berliner Appells: Klimaneutral handeln!:

Klimaschutz in professioneller Normalität - das bedeutet
(formuliert für Privathaushalte; auf Unternehmen, Organisationen u.a. analog anzuwenden):

  • Der-/diejenige, dessen/deren finanzielle Lage es erlaubt, aus der Nutzung fossil basierter Energieerzeugung komplett auszusteigen und die Energienutzung des eigenen Haushalts zu 100% auf die Nutzung erneuerbarer Energieträger umzustellen - vom Wechsel zum Ökostrom über die Erneuerung der Heizung bis hin zum Kauf eines PKW mit klimaneutralem Antrieb -, macht das auch tatsächlich. Und für die Bereiche, wo der Ausstieg (noch) nicht direkt vor Ort möglich ist, wird durch entsprechende Mit-Finanzierung eines Projektes zur Emissionvermeidung an anderem Ort die noch nicht vermiedene CO2-Emission jährlich kompensiert.
     
  • Wer sich solch umfangreiches Handeln finanziell nicht leisten kann, setzt die für diese Sache verfügbaren Mittel so ein, dass durch die Summe von Bemühungen um Emissionsvermeidung (durch Verhalten und Technik) und die Kompensation der (noch) nicht vermeidbaren CO2-Emissionen das eigene Handeln insgesamt klimaneutral gestellt werden kann (netto betrachtet). Ist keinerlei finanzieller Spielraum für technische Maßnahmen vorhanden, dürften meistens 100 bis 250 Euro pro Jahr für die notwendige Kompensation ausreichen. Je höher die jährliche Emissionsmenge ist, desto höher wird in der Regel auch das Einkommen sein.
     
  • Wer sich auch diese jährlich 100 - 250 € für die Kompensation aller nicht vermiedenen CO2-Emissionen nicht abzwacken kann, kompensiert halt so viel, wie ihm möglich ist. Ihr/ihm wird man nicht verübeln können, dass sie/er für sich keine Klimaneutralität erreichen kann. Aber es sollten wenigstens die kleinen Schritte gegangen werden (zusätzlich zu den Verhaltensänderungen), die doch finanzierbar sind).
     
  • Schließlich: Die kompensierte Menge an CO2-Emissionen des letzten Jahres wird kritisch unter die Lupe genommen und - falls möglich - im nächsten Jahr reduziert.
     
  • Ein "angeschlossener intelligenter Konsum für ein normal gutes Leben" (M. Unfried) ergänzt das Bemühen.
     
  • Für alles gilt: Wer von vornherein viel an potentieller Klimabelastung vermeidet, muss nur noch wenig kompensieren und wird dadurch womöglich mit deutlich weniger als 100 € pro Jahr für Kompensationsmaßnahmen belastet.
     
  • Es geht nicht darum, ab morgen rigoros keine Tonne CO2-Emission mehr emittieren zu dürfen; sondern es geht um die grundsätzliche Einstellung. Wer sich vornimmt, im Stil professioneller Normalität seine komplette CO2-Bilanz abzubauen und den Berliner Appell unterzeichnet, der bekundet damit: Ich habe es kapiert; ich bemühe mich, so schnell und weitgehend wie möglich klimaneutral zu handeln und helfe durch die namentliche Veröffentlichung meines Verhaltens mit, dass so zu handeln möglichst viele Nachahmer findet und schon bald ein entsprechender gesellschaftlicher Bewusstseinswandeln in Gang gebracht wird: Die Vermeidung von CO2-Emissionen und die "Entsorgung" nicht vermiedener Emissionen wird in Zukunft ebenso gesellschaftliche Norm sein wie die Vermeidung bzw. Entsorgung von Müll und Abwasser.